Anonymität im Internet
Pseudonyme, wir kennen sie aus Chats, Blogs und anderen Internetplattformen. Sie sind so alt wie das öffentliche Internet selbst. Aber warum eigentlich? Was verleitet die Internetuser dazu, unter einem falschen Namen im Internet zu agieren?
Aus Angst vor den Konsequenzen ihres Handelns oder ist es einfach nur die Anonymität die sie genießen? Im echten Leben steht man auch für jede Handlung mit seinem Namen und hat gegebenenfalls die Konsequenzen zu tragen. Das ist das Argument, mit welchem der Internetriese Google seine Forderung, sich in ihrem sozialen Netzwerk Google+ mit dem korrekten Namen anzumelden, rechtfertigt. Die Anonymität im Netz sei Schuld daran, dass es so viel Betrug, so viel Mobbing im Internet gäbe, so ein Sprecher Googles. Wenn man wisse, man könnte bei einem Verstoß gegen Gesetze auch im Internet zur Verantwortung gezogen werden, würde man sich dementsprechend verhalten. Bei Google+ ist es daher Pflicht, sich mit dem richtigen Namen anzumelden, tut man das nicht, wird man erst verwarnt und bei Nichtveränderung sogar gelöscht.
Diese Argumentation klingt erstmal schlüssig, doch um den Sachverhalt umzukehren, was ist mit Leuten die für einen guten Zweck gegen Gesetze verstoßen und dringend auf die Anonymität im Internet angewiesen sind? Der Ägypter Wael Ghonim, Gründer einer einflussreichen Facebook-Gruppe zu Zeiten der Aufstände gegen das Mubarack-Regime im Frühling diesen Jahres. Ein Pseudonym war sein Lebensretter, so Ghonim. Er wählte dieses bewusst, um vor Verfolgungen durch das Regime geschützt zu sein.

Mubarak, Maggie Osama / flickr
Er hatte Glück, denn auch Facebook legt in Zukunft größeren Wert auf die wahrheitsgemäße Angabe des Namens beim Erstellen eines Accounts.
Richtig ist, dass Kriminalität im Internet so eventuell besser kontrolliert werden kann, aber wieder einmal werden unbescholtene Bürger einem Stück ihrer Privatsphäre beraubt, um Kriminelle besser verfolgen zu können.
